TOKIO (dpa-AFX) - Während in deutschen Firmen die Zeit der Weihnachtsfeiern ist, feiert man im nicht christlichen Japan "Bonenkai". Diese Jahresendfeiern, die wörtlich übersetzt "Feiern zum Vergessen des Jahres" heißen, haben in der vor Deutschland drittgrößten Volkswirtschaft der Welt lange Tradition. Mit den Arbeitskollegen und Vorgesetzten lassen Japaner bei diesen Gelagen, bei denen meist in Kneipenrestaurants gegessen und getrunken wird, das Jahr Revue passieren. Doch einer vom japanischen Fernsehsender NHK zitierten Umfrage zufolge geht der Trend weg vom abendlichen Trinkgelage. Während viele jüngere Japaner am liebsten ganz darauf verzichten, halten andere ihre Bonenkai zur Mittagszeit intern ab.

In der vom Uhrenkonzern Citizen unter 400 Geschäftsleuten durchgeführten Umfrage gaben demnach rund die Hälfte der Befragten an, in diesem Jahr lediglich einmal solche Gelage abzuhalten. Gut ein Drittel verzichtet ganz. Die ständige Rücksichtnahme auf die in Japan ausgeprägten Verhaltensnormen gegenüber Kollegen und Vorgesetzten sind vielen Japanern schlicht zu anstrengend. Lieber feiert man mit Freunden Bonenkai. Eine Teilnahme an Bonenkai oder Nomikai (Umtrunk, Trinkgelage) ist zwar in Japan keine Pflicht. Sie wird aber zumindest in angemessenem Maße erwartet, da die Feiern als wichtige Maßnahme zur Teambildung verstanden werden.

Doch das geht auch anders: Dem Sender NHK zufolge geht der Trend zu sogenannten Lunch-Bonenkai in der eigenen Firma, wobei das Essen von Catering-Unternehmen angeliefert wird. Das habe etwa den Vorteil, dass man nicht erst irgendwo hin muss. Zudem verringere sich das Risiko, in feucht-fröhlicher Laune Firmeninterna in aller Öffentlichkeit auszuplaudern. Auch könnten junge Mütter dabei sein, die sonst an abendlichen Trinkgelagen nicht teilnehmen könnten. Und überhaupt brauche man zur Kommunikation ja nicht unbedingt Alkohol./ln/DP/zb