WASHINGTON (dpa-AFX) - Nach dem Börsen-Crash der Vorwoche hat am Mittwoch eine überraschend hohe US-Inflation die Sorge vor steigenden Zinsen abermals befeuert. Die Finanzmärkte gerieten unter Druck - von einer erneuten Panik kann jedoch keine Rede sein. Die US-Verbraucherpreise seien im Januar um 2,1 Prozent gestiegen, teilte das US-Arbeitsministerium in Washington mit. Das war zwar genauso viel wie im Vormonat. Viele Experten hatten aber mit einer Abschwächung der Teuerung gerechnet.

Da an den Finanzmärkten Erwartungen zählen, gerieten die Kurse an der Wall Street unter Druck. Der wichtigste US-Leitindex Dow Jones gab nach Handelsstart um ein Viertel Prozent nach. Die Rendite auf 10-jährige US-Staatspapiere kletterte um 0,06 Prozentpunkte auf 2,89 Prozent nach oben. Da der US-Dollar als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten gilt, legte er zu und trieb den Euro im Gegenzug bis auf ein Tagestief von 1,2276 Dollar. Verglichen mit den Turbulenzen in der Vorwoche hielten sich die Kursbewegungen damit jedoch in engen Grenzen.

Experten der Commerzbank warnen denn auch vor Überreaktionen aufgrund der einzelnen Monatszahl. "Da viele Unternehmen ihre Preise zu Jahresbeginn ändern, könnte der Januar den Trend überzeichnen", meint Analyst Christoph Balz. Zudem habe sich beim Lohnauftrieb nach wie vor wenig getan. "Wir erwarten daher im Trend eher einen langsamen Anstieg der Inflation als einen Schub."

Dass die Anleger dennoch empfindlich auf die Inflationszahlen reagieren, liegt daran, dass sie angesichts steigender Preise schnellere Leitzinsanhebungen durch die Währungshüter fürchten. Christiane von Berg, Expertin bei der Bayerischen Landesbank, rechnet angesichts der neuen Daten nun mit vier Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed in diesem Jahr, beginnend mit der kommenden Sitzung im März. Bislang haben die Währungshüter drei Erhöhungen in Aussicht gestellt.

Höhere Leitzinsen würden tendenziell auch die Renditen auf Staatspapiere nach oben treiben. Dies wiederum würde Aktien im Vergleich weniger attraktiv machen, sodass die Kurse sinken dürften. Derartige Sorgen waren in der vergangenen Woche einer der Hauptgründe für die rasante Talfahrt an den Börsen in den USA und andernorts. Hinzu kam nach einer monatelangen Rekordjagd an der Wall Street die Furcht vor einer möglichen Blasenbildung. Viele Experten verwiesen aber zudem auf vorherige Spekulationen auf Kursschwankungen - in diesem Zusammenhang sind jüngst auch Manipulationsvorwürfe laut geworden.

Ohne schwankungsanfällige Komponenten wie Energie stiegen die Verbraucherpreise in den USA gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,8 Prozent und damit genauso stark wie im Vormonat. Im Monatsvergleich erhöhte sich das allgemeine Preisniveau um 0,5 Prozent. Analysten hatten nur mit einem Zuwachs um 0,3 Prozent gerechnet. Zudem wurde der Anstieg im Vormonat von 0,1 auf 0,2 Prozent nach oben korrigiert./tos/jkr/he